Donnerstag, 15. Mai 2014
Mein Onkel wird 50 - und wird zur Bestie
Die Nacht war durchwachsen, ich konnte kaum schlafen. Immer wachte ich auf. Der Schreck von gestern war mir immer noch ins Gesicht geschrieben. Fassungslos saß ich im Bett, Bademantel an, Kapuze tief über den Kopf gezogen.
Es fing alles damit an, dass ich meinem Onkel zum 50. gratulieren wollte. Nachdem ich ihm per Telefon gratulierte fing er an mich zu beschimpfen, ich solle doch nicht so viel draußen rumerzählen und anständig bleiben. Da ich keinen blassen Schimmer hatte worum es ging fragte ich nach. Er teilte mir mit er hätte mit anderen Leuten gesprochen und ich würde denen nur Müll erzählen und meine Familie könne sich wegen mir nicht mehr auf die Straße trauen. Ich war verblüfft, denn ich wusste immer noch nicht was er meinte geschweige denn mit wem ich geredet haben sollte? Mein Onkel hörte nicht auf. Er unterstellte mir meine Krankheit sei gelogen und ich tue nur so als hätte ich Brustkrebs. Meinem Opa würde ich vorgaukeln mir wäre übel, aber in der nächsten Minute gehe ich zu Freunden und mir ginge es dann wieder besser. Außerdem würde ich mich mit anderen Männern treffen, da ich jetzt ja genug Zeit hätte, weil ich zuhause bin. Warum ich mir meine Haare abrasiert hätte, wäre ja auch nur gespielt. Generell wäre ich ein schlechter und verlogener Mensch, würde nur lügen und meine Freundlichkeit anderen Menschen gegenüber wäre nur gespielt. Mein Onkel selbst war in der Psychiatrie und hatte sich selbst entlassen, ich hatte mich für ihn interessiert genau so wie für meine Oma die momentan im Krankenhaus liegt. Aber auch dieses Mitgefühl von mir sei nicht ehrlich, nur gespielt. Meine Familie habe nur Mitleid mit mir, aber mag mich ansonsten nicht, da ich total verlogen sei und in der Öffentlichkeit nur lügen würde. Dann kam der Hammer. Er wollte sich mit meiner Schwiegermutter unterhalten, da er mit ihr zusammen zur Schule ging und weitere Infos über mich herausfinden wollte. Zudem fragte er mich, ob ich nach meiner Krankheit wieder zurück zu meinem alten Job gehen würde, damit er sich dort auch über mich erkundigen könne. Bei Freunden wäre ich auch nicht willkommen, das hätten sie ihm schon erzählt. Er wusste Dinge, ich weiß nicht woher, da er nie dabei gewesen war.
Am Ende des Telefonats sagte er nochmal eindringlich, ich solle doch mal wieder gesund werden, besonders im Kopf, denn ich sei krank im Kopf. Und anständig bleiben.
Danach brach ich zusammen, weinte unendlich viel und rief meinen Opa an. Der war empört, selbst meine Mutter rastete am Telefon aus als sie davon erfuhr.
Ich war allein zuhause und klingelte bei unseren Nachbarn, ein liebes Pärchen. Die nahmen mich liebevoll auf und kümmerten sich um mich.
Die Tränen liefen mir immer wieder über die Wangen, bis abends und noch heute sitze ich jetzt im Bett und bin sprachlos.

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