Samstag, 21. Juni 2014
Immer das Positive sehen...
Die letzte Chemo hatte mich so umgehauen, dass ich total depressiv war und mich alles genervt hat. Meine Mama hatte mich dann am 6.Tag nach der Chemo mit nach Hamburg genommen. Die Fahrt war lang, 6 Stunden und mein Hintern tat mir danach weh. Aber ich war froh, dass mir dieser wehtat und ich nicht mehr die ganze Zeit im Bett lag.
In Hamburg angekommen schwang ich mich auf das alte Fahrrad meiner Mama und düste 40 Minuten um den See. Frische Luft, neue Umgebung, das alles tat unheimlich gut.
Gegen 20Uhr abends holten mich dann zwei meiner Freundinnen ab. "Taxi ist da!" so empfingen sie mich. Ich freute mich so sehr, besonders über eine von beiden, denn aufgrund ihres psychischen Krankheit hatte ich sie lange nicht mehr gesehen. Als sie wusste, dass ich da war, machte sie sich sofort auf den Weg.
8 Tage verbrachte ich in Hamburg und besuchte viele meiner Freunde. Dienstag Abend fuhr ich mit der Bahn und meinem Rad im Arm nach Hamburg, um eine Freundin zu besuchen. Leider hatte sie nur kurz Zeit und ich wusste nicht was ich mit dem angebrochenen Abend machen sollte. So fuhr ich die ganze Nebenstrecke durch Hamburg gen Süden am Deich entlang zurück zu meiner Mutter. Insgesamt fuhr ich an dem Tag 42km. Ja selbst mein Arzt ist jedes Mal geschockt, wenn ich erzähle was ich alles mache und wie viel ich mit dem Rad fahre. Aber es tut mir gut, sehr gut sogar. Ich merke dadurch noch wie schön das Leben ist, wie gut mir das alles tut, der frische Wind der anbei vorbeiweht, die Menschen die ich beobachte...
Einen Tag fuhr ich mit meiner Mutter an die Ostsee, ich musste da einfach hin. Seeluft, Meerwasser, Sonne, Strand, Sand, Meeresfrüchte. Einfach mal die Seele baumeln lassen und mit meiner über Gott und die Welt reden. Es war nicht immer so zwischen uns, aber umso schöner ist es nun. Und auch wenn der Krebs ein Arschloch ist, so hat er meine Mutter und mich wieder näher zusammengebracht.
Und wie schon gemerkt, immer das Positive in allem sehen, auch wenn es an manchen Tagen schwer fällt.

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Montag, 26. Mai 2014
Schlafen, schlafen, schlafen
Ich komme heute nicht aus dem Bett, bin einfach nur platt und müde. Nicht mal TV schauen kann ich so strengt es mich an. Total deprimiert schleppe ich mich durch den Tag und frage mich wann das alles endlich ein Ende hat. Auch wenn diese Chemo besser als die letzten beiden war, so schafft sie mich total. Viel trinken und immer etwas essen muss ich, um nicht schwächer zu werden. Je mehr ich trinke, desto schneller spüle ich die Chemikalien aus. Leichter gesagt als getan. Ich würde sagen, ich gehe wieder ins Bett. Morgen ist auch noch ein Tag, und ich hoffe der wird besser als heute. Denn so langsam deprimiert mich alles. Ich muss hier raus, aber wie, wenn ich nicht mal Kraft dazu habe aus dem Bett zu kommen.

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Samstag, 24. Mai 2014
Die 3. Chemo
von 8 ist geschafft. Diesmal geht's mir bedeutend besser. Das liegt wohl aber auch daran, dass diesmal mehr Kortison und andere Medikamente mit in die Chemo gespritzt wurden. Davor gab's noch prophylaktisch ein Zäpfchen in den Allerwertesten und das Übelkeitspflaster an den linken Arm. Dann noch andere Tabletten für die nächsten Tage und los ging's. Die Chemo an sich dauert 4Stunden und ist nicht schlimm. Ich warte eigentlich nur darauf, dass endlich alles durch die Infusionen flutscht, schaue mir dabei Filme an und danach geht's nach Hause ausruhen. Gestern habe ich den ganzen Tag nur geschlafen. Die Übelkeit war zwar noch da, aber nicht mehr so schlimm wie sonst immer. Ich hatte lediglich einen sehr enormen Speichelfluss. Das wurde dann alles in den grünen Eimer gespuckt und gut war's. Gott sei dank konnte ich immer mal wieder was trinken und knabberte Salzstangen nebenbei. Ich schlief nur auf dem Bauch letzte Nacht, denn sobald ich mich auf die Seite oder den Rücken legte, wurde mir übel. Dadurch geht's mir heute auch schon besser. Klar bin ich schlapp und etwas müde, aber es ist 1000 Mal besser als die ersten beiden Male. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich jeden Tag bestimmt 2Stunden laufen gehe mit dem Hund, unser Beet bepflanzt habe und jeden Tag Fahrrad fahre. Das hält mich und lässt mich mehr aushalten. Nur noch ein paar Tage ausruhen und schon ist wieder alles beim Alten.

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Mittwoch, 21. Mai 2014
Den Krebs vergessen
Ich gebe nicht auf, gerade jetzt nicht wo es so schön draußen ist. Die Vögel zwitschern, die Sonne scheint und ich muss einfach raus. Seitdem ich die erste Chemo hatte denke ich mehr über meinen Körper nach. Ich fahre Fahrrad, finde immer wieder neue Strecken heraus und entdecke meine Umgebung. Mein Cousin hat sich einen Hund aus dem Tierheim geholt, ein Dalmatiner, eine ganz liebe Dame. Mit den beiden gehe ich jeden Tag raus spazieren. Mindestens 2 Stunden pro Tag. Am Samstag waren es sogar 5 Stunden. Mir geht es so gut dabei durch den Wald zu laufen, alles zu erkunden und die frische Luft zu atmen. Am Abend gingen wir sogar noch in eine Disco feiern, tanzen, Musik in den Ohren hören und dabei alles vergessen. Dann ging es zur nächsten Party und als ich um 5 Uhr morgens zuhause war, ging es mir immer noch gut. Klar die verrauchte Luft war nicht gerade der Knüller, aber das war mir egal. Hauptsache raus und am Leben teilnehmen und glücklich sein.
Heute Morgen war ich wie immer früh wach, stand auf und holte frische Brötchen. Dann ging es mit meinem Freund ins Grüne und wir machten endlich unser eigenes Beet für dieses Jahr. Kohlrabi, Tomaten, Gurken, Kräuter, Bohnen, Zucchini und vieles mehr pflanzten wir an, nachdem das Beet durchforstet wurde mit einer Hacke. Danach mit Schafmist und Teichschlamm überdecken, und am Ende mit den Samen oder Pflanzen bestücken. Es tut gut einfach nur draußen zu sein. Und ich war keineswegs müde. Um so mehr ich mach, um so besser geht es mir. Es strengt mich nicht an, nein ganz im Gegenteil, es gibt mir mehr Kraft und Durchhaltevermögen. Genau das was ich jetzt brauche. Es lässt mich den Krebs vergessen, und oft denke ich "Ich bin gar nicht krank..."

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Donnerstag, 15. Mai 2014
Mein Onkel wird 50 - und wird zur Bestie
Die Nacht war durchwachsen, ich konnte kaum schlafen. Immer wachte ich auf. Der Schreck von gestern war mir immer noch ins Gesicht geschrieben. Fassungslos saß ich im Bett, Bademantel an, Kapuze tief über den Kopf gezogen.
Es fing alles damit an, dass ich meinem Onkel zum 50. gratulieren wollte. Nachdem ich ihm per Telefon gratulierte fing er an mich zu beschimpfen, ich solle doch nicht so viel draußen rumerzählen und anständig bleiben. Da ich keinen blassen Schimmer hatte worum es ging fragte ich nach. Er teilte mir mit er hätte mit anderen Leuten gesprochen und ich würde denen nur Müll erzählen und meine Familie könne sich wegen mir nicht mehr auf die Straße trauen. Ich war verblüfft, denn ich wusste immer noch nicht was er meinte geschweige denn mit wem ich geredet haben sollte? Mein Onkel hörte nicht auf. Er unterstellte mir meine Krankheit sei gelogen und ich tue nur so als hätte ich Brustkrebs. Meinem Opa würde ich vorgaukeln mir wäre übel, aber in der nächsten Minute gehe ich zu Freunden und mir ginge es dann wieder besser. Außerdem würde ich mich mit anderen Männern treffen, da ich jetzt ja genug Zeit hätte, weil ich zuhause bin. Warum ich mir meine Haare abrasiert hätte, wäre ja auch nur gespielt. Generell wäre ich ein schlechter und verlogener Mensch, würde nur lügen und meine Freundlichkeit anderen Menschen gegenüber wäre nur gespielt. Mein Onkel selbst war in der Psychiatrie und hatte sich selbst entlassen, ich hatte mich für ihn interessiert genau so wie für meine Oma die momentan im Krankenhaus liegt. Aber auch dieses Mitgefühl von mir sei nicht ehrlich, nur gespielt. Meine Familie habe nur Mitleid mit mir, aber mag mich ansonsten nicht, da ich total verlogen sei und in der Öffentlichkeit nur lügen würde. Dann kam der Hammer. Er wollte sich mit meiner Schwiegermutter unterhalten, da er mit ihr zusammen zur Schule ging und weitere Infos über mich herausfinden wollte. Zudem fragte er mich, ob ich nach meiner Krankheit wieder zurück zu meinem alten Job gehen würde, damit er sich dort auch über mich erkundigen könne. Bei Freunden wäre ich auch nicht willkommen, das hätten sie ihm schon erzählt. Er wusste Dinge, ich weiß nicht woher, da er nie dabei gewesen war.
Am Ende des Telefonats sagte er nochmal eindringlich, ich solle doch mal wieder gesund werden, besonders im Kopf, denn ich sei krank im Kopf. Und anständig bleiben.
Danach brach ich zusammen, weinte unendlich viel und rief meinen Opa an. Der war empört, selbst meine Mutter rastete am Telefon aus als sie davon erfuhr.
Ich war allein zuhause und klingelte bei unseren Nachbarn, ein liebes Pärchen. Die nahmen mich liebevoll auf und kümmerten sich um mich.
Die Tränen liefen mir immer wieder über die Wangen, bis abends und noch heute sitze ich jetzt im Bett und bin sprachlos.

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